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Pascal Bocuzzi mit Waldemar Martel und Lazaro Diaz Gonzalez (von rechts)
Neues Pflaster für eine Hofeinfahrt: Pascal Bocuzzi mit seinen Kollegen Waldemar Martel und Lazaro Diaz Gonzalez (von rechts). © SOH
Der Beruf ist abwechslungsreich, erfordert Mathekenntnisse sowie Kraft, handwerkliches Geschick und technisches Verständnis für einen umfangreichen Maschinenpark. Pascal Bocuzzi lässt sich darauf ein: Er hat gerade seine Ausbildung als Tiefbaufacharbeiter abgeschlossen und hängt jetzt noch ein drittes Lehrjahr als Straßenbauer an. Die Berufsaussichten sind gut, Fachkräfte sind rar.

Auch sein Ausbildungsbetrieb, der ESO Stadtservice aus dem Geschäftsfeld Stadtservice der Stadtwerke Unternehmensgruppe, hat lange gesucht, bevor er Bocuzzi einstellen konnte. Mit den eigenen Auszubildenden beugt das Unternehmen dem Facharbeitermangel vor und zieht sich seinen Nachwuchs gezielt auf die im Geschäftsfeld anfallenden Arbeiten selbst heran.

Kraft und technisches Verständnis sind gefragt

Denn der Straßenbau braucht nicht nur Leute mit Kraft, sondern auch mit technischem Verständnis. Je komplexer die Baumaschinen werden, desto höher sind die Anforderungen an diejenigen, die sie auf der Baustelle bedienen. Und kein Unternehmen kann es sich leisten, dass ein ungelernter Arbeiter bei Hochbetrieb eine Maschine kaputt macht. Deshalb werden immer auch ausgebildete Fachkräfte auf den Baustellen gebraucht. „Ein Straßenbauer muss ein Quer- und Längsgefälle oder die notwendige Baustoffmenge für ein Projekt berechnen, dabei muss er die Dichte der Materialien kennen, um entsprechend zum Gewicht die notwendige Ladekapazität vorzuhalten“, erklärt Heiko Emmel, Werkpolier aus dem Geschäftsfeld Stadtservice. Jobanwärter sollten darüber hinaus körperlich fit, wetterfest und keine Morgenmuffel sein. Denn gebaut, repariert und asphaltiert wird schon früh am Tag. „Anders als in der freien Wirtschaft haben wir im Geschäftsfeld Stadtservice aber den Vorteil geregelter Arbeitszeit und brauchen keine langen Anfahrtswege zu den Baustellen.“

Pascal Bocuzzi hat sich für den Beruf entschieden, nachdem er mehrere Praktika in verschiedenen Berufsfeldern ausprobiert hat. Der Straßenbau, und hier besonders die Pflasterarbeiten, gefielen ihm am besten. „Da konnte ich am Feierabend sehen, was ich gemacht habe.“ Um ganz sicherzugehen hat er beim ESO Stadtservice noch ein Praktikum angehängt und im Anschluss auch gleich einen Ausbildungsvertrag als Tiefbaufacharbeiter unterzeichnet.

"Es ist schwer, geeignete Leute zu finden"

Ein Glücksgriff für das Geschäftsfeld Stadtservice. „Es ist sehr schwer geeignete Leute zu finden“, sagt Alexander Rößler aus dem Geschäftsfeld Stadtservice, der als geprüfter Polier auch die Ausbildungsberechtigung hat. Die SOH sucht ihren Nachwuchs auf Ausbildungsmessen, die Personalabteilung steht in Verbindung mit dem Arbeitsamt und zu den Projektleitern diverser Förderprogramme. Trotzdem wurde in diesem Jahr erstmals seit Jahren kein neuer Auszubildender gefunden. Denn unabdingbar vor der Unterschrift unter einen Ausbildungsvertrag ist ein dreiwöchiges Praktikum.

„Wir haben übers Jahr etwa vier Praktikanten“, sagt Rößler, „in diesem Jahr war keiner dabei, der die entsprechende Motivation mitgebracht hat.“ Wer trotz Aussicht auf einen Ausbildungsvertrag morgens zu spät kommt und auch auf der Baustelle ständig das Handy in der Hand hat, kommt als künftiger Kollege nicht in Frage. Die Ausbildung von Flüchtlingen scheitert bisher auch bei passender Motivation an den Sprachkenntnissen. „Auf der Baustelle klappt die Verständigung meistens noch“, sagt Rößler, „aber die Leute müssen ja in der Berufsschule dem Unterricht folgen und die Abschlussprüfungen bestehen können.“

Je vier Wochen Schule und Praxis im Wechsel

Derzeit hat der künftige Straßenbauer Pascal Bocuzzi jeweils im Block vier Wochen Unterricht an der Philipp-Holzmann-Berufsschule, unter anderem in Holzarbeiten, Betonbau, Fliesen legen, Estrich auftragen, Rohrleitungen verlegen und mauern, und vier Wochen Praxisunterricht im Geschäftsfeld Stadtservice. Dann ist er mit einem Trupp von der Abteilung Straßenunterhaltung im Stadtgebiet unterwegs und erledigt Reparaturarbeiten. Unter anderem hat er eine Hofeinfahrt mit hochstehenden Gehwegplatten neu gepflastert und damit eine gefährliche Stolperfalle beseitigt.

„Wir haben deutlich mehr zu bieten als nur die Straße zu flicken“, sagt Heiko Emmel. „Beim Stadtservice haben Auszubildende und auch die Kollegen den Vorteil, dass hier auch viele der Arbeiten anfallen und der Beruf abwechslungsreich ist“ Unter anderem werden von den Kollegen die Absperrungen für Veranstaltungen eingerichtet. Wer in der freien Wirtschaft einer Kolonne zugeteilt ist, muss oft wochenlang den ganzen Tag beispielsweise nur asphaltieren oder pflastern.“

Ausbildung bietet gute Aufstiegsmöglichkeiten

Nach einem Jahr Ausbildung ist Bocuzzi dann Facharbeiter. Je nach Weiterbildung kann er im Anschluss Vorarbeiter, Werkpolier oder bei der Industrie- und Handelskammer den Abschluss geprüfter Polier machen. Damit wäre er bereits auf Bachelor-Niveau und könnte einen Masterstudiengang Bauingenieurwesen anschließen. Alternativ wäre der Abschluss Straßenbaumeister bei der Kreishandwerkskammer als Einstieg in die Selbstständigkeit möglich.

Auch wenn Bocuzzi Straßenbauer in Offenbach bleibt, hat er auf jeden Fall genug zu tun. Von dem rund 300 Kilometer langen Straßennetz ist rund die Hälfte reparaturbedürftig oder steht demnächst für eine Reparatur an. Denn jeder Winter, der die Asphaltdecken platzen lässt und die Straßen in eine Schlaglochpiste verwandelt, macht den Arbeitsplatz eines Straßenbauers noch sicherer.

08.09.2017