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Rose auf dem neuen Friedhof
© Alex Habermehl
Die Nachfrage nach Bestattungen auf einem muslimischen Gräberfeld steigt in Offenbach jährlich an, die erste Fläche auf dem Neuen Friedhof ist nun mit 250 Grabstellen belegt. Deshalb hat die Verwaltung der städtischen Friedhöfe jetzt ein weiteres Gräberfeld ausgewiesen. Es bietet auf rund 1200 Quadratmetern Platz für etwa 400 Gräber und wurde am Montag, 9. Juli, um 10 Uhr offiziell eingeweiht.

„Mit dem zusätzlichen Gräberfeld kommen wir dem zunehmenden Bedarf von Offenbacher Muslimen nach einer Bestattung in Offenbach für sich selbst oder einen verstorbenen Angehörigen nach. Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass wir die notwendigen Voraussetzungen nunmehr schaffen, damit dem Wunsch nach einer Bestattung hier  entsprochen werden kann“, sagt Stadtrat Peter Freier, als Dezernent sowohl zuständig für das Ausländeramt als auch für den Eigenbetrieb der Stadt Offenbach, dem die städtischen Friedhöfe zugeordnet sind.

Sarglose Bestattungen möglich

 „Der Stadtservice hat auf den städtischen Friedhöfen ein breites Angebot, von einfachen bis aufwendigen Grabstätten,  um nach Möglichkeit allen Bedürfnissen unserer Bürgerinnen und Bürger gerecht zu werden“, ergänzt Christian Loose, stellvertretender Leiter des Eigenbetriebs der Stadt Offenbach. „ Auch unseren muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern bieten wir eigene Grabfelder, auf denen auch sarglose Bestattungen möglich sind.“

Zwar haben nach Angaben von Selim Tunc, Vorsitzender der DiTib Türkisch-Islamischen Gemeinde Offenbach,  nach wie vor die meisten der in Offenbach lebenden Muslime eine Sterbeversicherung, die nach ihrem Tod für die Überführung in das Herkunftsland aufkommt. Doch vor allem unter denjenigen, die in zweiter oder dritter Generation  in Deutschland, beziehungsweise in Offenbach zuhause sind, wollen immer mehr hier auch nach ihrem Tod begraben werden oder für  ihre verstorbenen Angehörigen eine Grabstelle. „Mir hat eine hier lebende Türkin gesagt, dass sie ihre Mutter hier bestatten lassen möchte und nicht in der Türkei“, erzählt Selim Tunc, „in der Türkei könne sie das Grab nur einmal im Jahr im Urlaub sehen, in Offenbach sei ein Besuch jederzeit möglich.“

Erstes muslimisches Gräberfeld in Offenbach wurde 2001 eröffnet

Die ersten Diskussionen um ein eigenes Gräberfeld für Muslime begannen in Offenbach in den 1970er Jahren, erinnert sich Abdelkader Rafoud, Vorsitzender des Ausländerbeirates der Stadt. Damals ging es vor allem darum, diejenigen Muslime gemäß den Vorgaben ihrer Religion zu bestatten, die sich eine Sterbeversicherung nicht hatten leisten können.  Für deren Überführung in die Heimat sei damals dann meist in der Familie oder der Gemeinde gesammelt worden. 

Ein erster Vorstoß von Abdelkader Rafoud, damals Vorsitzender der marokkanischen Kulturzentrums, für ein eigenes Gräberfeld in Offenbach, das den islamischen Vorschriften gerecht wird, scheiterte im Jahr 1991. Erst 1997 stimmte die Stadtverordnetenversammlung einem neuen Antrag auf ein muslimisches Gräberfeld zu. Im Jahr 2001 wurde das Feld dann auf dem Neuen Friedhof eingeweiht. „Es gab damals viele Skeptiker, auch in den Reihen der Muslime, ob sich hier jemand bestatten lassen würde“, sagt Abdelkader Rafoud. „Aber unsere Kinder und Enkel sind hier geboren, haben hier ihre Heimat und wollen hier auch bestattet werden – und jetzt ist dieses erste Feld bereits voll.“ Wie viele Muslime in Offenbach leben, wird statistisch nicht erfasst. Der Vorsitzende des Ausländerbeirates schätzt sie aber auf mehr als 18.000.

Muslimische Bestattungsvorschriften berücksichtigt

„Überall auf der Welt werden verstorbene Muslime in einem weißen Grabtuch etwa 1,50 Meter tief in die Erde gelegt mit dem Gesicht in Richtung Mekka“, erläutert Imam Halil Elma die Bestattungsvorschriften. Auf den muslimischen Grabfeldern werden die Bestattungsvorschriften weitestgehend berücksichtigt. Es werden ausschließlich Dauergrabstätten mit einer verlängerbaren Nutzungsfrist von 30 Jahren vergeben. 

Die Gräber sind so angelegt, dass der oder die Verstorbene auf der rechten Seite, mit  dem Gesicht in Richtung Mekka liegt. Für die vom Islam geforderte rituelle Totenwaschung steht ein geeigneter Raum, für das Totengebet die Trauerhalle zur Verfügung. Nach Freigabe durch das Stadtgesundheitsamt ist eine sarglose Bestattung möglich. Bei den aktuell 20 muslimischen Beerdigungen pro Jahr wird dies bei etwa einem Viertel so praktiziert.  

Einige Grabstätten mit Blumen geschmückt

An der Grabstelle sei nur ein Stein mit Namen und einer Sure als Kennzeichnung vorgesehen, damit Muslime dort ihr Gebet sprechen könnten, erläutert der Imam weiter. Grabschmuck dagegen gelte im islamischen Glauben als verschwenderisch, vor allem vor dem Hintergrund, dass viele Menschen hungern müssten.

Doch nicht nur in Offenbach passen Muslime der zweiten oder dritten Generation das Erscheinungsbild der Gräber ihrer Angehörigen der deutschen Bestattungskultur an:  Viele der Grabstätten sind inzwischen liebevoll mit Blumen geschmückt.  

Offenbach am Main, 4. Juli 2018