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Muslimisches Grab auf dem Neuen Friedhof
© Alex Habermehl
Eine globale Gesellschaft verändert auch das Erscheinungsbild und die Rituale auf den Friedhöfen. In Offenbach haben fast zwei Drittel der Bewohner einen Migrationshintergrund, mehr als 18.000 Menschen sind Muslime. Für diese Bevölkerungsgruppe legte die Friedhofsverwaltung schon im Jahr 2000 ein Gräberfeld auf dem Neuen Friedhof in Offenbach an, das den Vorschriften des Korans und den religiösen Vorstellungen gerecht wird. Ein weiteres folgte 2018.

Die Gräber sind dort so ausgerichtet, dass der Verstorbene auf der rechten Seite liegt und das Gesicht nach Mekka zeigt.  Die Beerdigung findet nach Möglichkeit binnen eines Tages nach dem Tod statt.

Der Islam sieht vor, dass die Angehörigen ihre Verstorbenen waschen – Männer waschen Männer, und Frauen waschen Frauen. Diese traditionelle Ehrerweisung kann dabei helfen, den Verlust eines geliebten Menschen zu verarbeiten. Für die rituelle Totenwaschung steht am Neuen Friedhof ein geeigneter Raum zur Verfügung. Ebenfalls fester Bestandteil ist das Totengebet der Hinterbliebenen, an dem oft mehrere Hundert Menschen teilnehmen. Es wird in der Trauerhalle und direkt am Grab gesprochen.

Leintuch statt Sarg

Zur islamischen Bestattungskultur gehört auch eine Beisetzung ohne Sarg, die das Hessische Friedhofs- und Bestattungsgesetz seit März 2013 erlaubt – aus religiösen Gründen und nach Absprache mit dem Gesundheitsamt. Auf dem muslimischen Grabfeld in Offenbach etwa ein Viertel der Verstorbenen, die dort beerdigt werden, nur in einem weißen Leintuch bestattet. Eine Beisetzung findet oft noch unter Ausschluss der muslimischen Frauen statt; Einäscherungen sind grundsätzlich verboten.

Islamische Friedhöfe werden nicht gepflegt, um die Ruhe nicht zu stören, und nur zu wichtigen religiösen Festen aufgesucht. Einfache Holzzeichen oder Steine – mit oder ohne Namen, Koranversen oder Gedichten - zieren die Gräber. Doch nicht nur in Offenbach passen Muslime der zweiten oder dritten Generation das Erscheinungsbild der Gräber ihrer Angehörigen der deutschen Bestattungskultur an:  Viele der Grabstätten sind inzwischen liebevoll mit Blumen geschmückt.  

Gewünscht wird ein ewiges Ruherecht, eine Wiederbelegung ist nicht vorgesehen. „Daher vergeben wir im muslimischen Gräberfeld ausschließlich Dauergrabstätten mit einer Nutzungsfrist für 30 Jahre, die auch verlängerbar ist“, sagt Gabriele Schreiber, Leiterin der Städtischen Friedhöfe. Insgesamt gelinge es der Verwaltung, die Wünsche der muslimischen Offenbacher Bevölkerung weitestgehend zu berücksichtigen. So lebt gerade auf dem Friedhof die Integration.