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Mit ihrem frischen Grün sind die alten Baumbestände auf den Friedhöfen gerade im Frühling ein besonderer Blickfang. Manche Menschen suchen für ihre letzte Ruhestätte die besondere Nähe zu den Bäumen: Jährlich gibt es in Offenbach rund 150 Baumbestattungen
Baumgrab auf dem Alten Friedhof
Baumgrab auf dem Alten Friedhof in Offenbach © Alex Habermehl

Die schon etwas betagten Skatbrüder waren sich einig: Sie wollten auch über den Tod hinaus vereint bleiben. Also sicherten sie sich vor einigen Jahren einen Familienbaum auf dem Neuen Friedhof in Offenbach, um dort gemeinsam unter schattenspendenden Ästen beigesetzt zu werden.

„Ein Familienbaum bietet sechs Grabstellen, es gibt aber auch Reihenbäume, analog der Urnen- oder Erdreihengräber“, erklärt Gabriele Schreiber, Leiterin der Städtischen Friedhöfe in Offenbach. Bei Letzteren werden die Urnen der Reihe nach am Fuße der Bäume beigesetzt, die Plätze sind für 25 Jahre vergeben. Wenn beispielsweise Ehepaare nebeneinander bestattet werden möchten, können sie zwei Stellen unter einem Partnerbaum reservieren. Die Laufzeit beträgt hier 30 Jahre und ist verlängerbar.

Zwölf neue Bäume für Bestattungen gepflanzt

Baumbestattungen sind auf dem Alten und Neuen Friedhof sowie in Bieber möglich. Die Verstorbenen ruhen unter Laubbäumen wie Eichen, Eschen oder Felsenbirnen, die auf Wunsch auch Schilder mit ihren Namen tragen. „Gemäß unserer Satzung ist kein weiterer Grabschmuck erlaubt“, sagt Gabriele Schreiber. Schließlich müssen die Wiesen auch regelmäßig gemährt werden. Es gibt aber Ablageflächen, auf denen Angehörige etwa eine Osterdekoration abstellen können.

Wegen der heißen, trockenen Sommer mussten Ende 2019 auf dem Neuen Friedhof zwei Bäume gefällt werden, an dessen Wurzeln Urnen beigesetzt sind. Das alte Wurzelgeflecht blieb im Boden, an den Urnen wurde nicht gerührt, und an den Stellen der ausgehobenen Stämme pflanzten die Friedhofsgärtner zwei neue Bäume. Da die Nachfrage bei Baumbestattungen konstant hoch bleibt, setzten die Gärtner dafür insgesamt zwölf neue Bäume auf dem Alten und Neuen Friedhof. „Gegenüber einem abgelegenen Friedwald oder Ruheforst haben die Angehörigen bei uns den Vorteil, dass die Ruhestätten gut angebunden und erreichbar sind“, meint Schreiber. So kommen mittlerweile auch die Skatbrüder hier regelmäßig zusammen, um gemeinsam an ihren ersten verstorbenen Mitspieler zu denken.

„Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt“
(Khalil Gibran)