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Jüdisches Leben gehört seit Jahrhunderten zu Offenbach – davon zeugen auch die Städtischen Friedhöfe. Die Anlagen erinnern an herausragende Persönlichkeiten und spiegeln religiöse Traditionen.

Grabsteine mussten umziehen

Der erste jüdische Friedhof Offenbachs lag von 1708 bis 1860 an der heutigen Bismarckstraße. Trotz massiver Proteste der Gemeinde wurde er geschlossen, da er der geplanten Bahnlinie im Wege stand. Die jüdische Gemeinde erhielt ein Ersatzgelände am Rande des neuen (heute Alten) Friedhofs, wo die Toten von 1861 bis Anfang der 1980er-Jahre beigesetzt wurden. Auch die vier jüdischen Ehrenbürger Offenbachs fanden dort ihre letzte Ruhestätte: Dr. Salomon Formstecher (1808-1889), der "erste moderne Historiker des Judentums", Ludo Mayer (1845-1917, siehe Denkmal-Artikel), der Anwalt und Kunstförderer Dr. Siegfried Guggenheim (1873-1961) sowie Max Willner (1906-1994), Vize-Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland. Die letzten Grabsteine von der Bismarckstraße kamen Ende der 1930er-Jahre schwer lesbar oder beschädigt zum Alten Friedhof. Zu zwei Pyramiden aufgeschichtet, markieren sie heute den Eingang zum jüdischen Teil.

Station 1: Pyramide
Pyramide am Eingang des Jüdischen Friedhofs. © Antje Maier / Haus der Stadtgeschichte

Steine als Symbol für die Unvergänglichkeit der Seele

Auf dem Neuen Friedhof befindet sich seit Anfang der 1980er-Jahre ein jüdisches Gräberfeld. Die meisten der Grabsteine zeigen oben den Davidstern, und unten symbolisieren fünf hebräische Buchstaben die Aussage: „Möge ihre Seele eingebunden sein in den Bund des ewigen Lebens.“ Wegen der Unvergänglichkeit der Seele schmücken Juden die Gräber traditionell nicht mit Blumen, die für Vergänglichkeit stehen – viel eher legen sie kleine Steine auf die Grabstätten. Wenn ein Jude stirbt, wird er nach der rituellen Waschung in einer einfachen Holzkiste beerdigt; Grabbeigaben gibt es nicht. Wegen des Glaubens an die Auferstehung ist die Einäscherung verboten. Etwa 5-10 % der Juden in Rhein-Main lassen sich in Israel bestatten.

Seit 2009 wird das jüdische Feld im Erweiterungsteil des Bürgeler Friedhofs belegt. In Bürgel gab es bereits im 17. Jahrhundert Beerdigungen auf dem „Judentotenacker“ nahe dem Schultheisweiher. Ab 1821 wurde der Friedhof mehrfach erweitert und mit einer Mauer umgeben. Nach der Eingemeindung fanden dort bis 1938 Beisetzungen statt. Aktuell sind noch 91 Grabsteine zu erkennen, der weitaus größte Teil des Areals ist allerdings eingeebnet und wurde wohl im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Auf allen jüdischen Friedhöfen gilt: Während des Shabbat (samstags) und an Feiertagen dürfen die Anlagen nicht betreten werden. Aushänge weisen jeweils auf die Termine hin.