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Das eigene Kind zu verlieren, zählt zu den schlimmsten Schicksalsschlägen. Auch für werdende Eltern ist solch ein Verlust schwer zu verkraften: Sie bereiten sich auf ein neues Leben vor – und werden plötzlich mit dem Tod konfrontiert. Um ihrer Trauer Raum zu geben, wird auf dem Neuen Friedhof in Offenbach bis Anfang 2020 ein neues Sternenkinderfeld eingerichtet. Im RUHEPUNKT- Interview sprechen die Krankenhaus-Seelsorger Angelika Habicht-Preis und Bernhard Brantzen über die Trauerarbeit für verwaiste Eltern und die Wichtigkeit eigener Grabstätten.
Windrad auf dem Neuen Friedhof
Bunt geschmücktes Grab auf dem Neuen Friedhof. © Alexander Habermehl

An wen genau richtet sich das neue Sternenkinderfeld?

Habicht-Preis: Das Angebot ist gedacht für Eltern von nicht bestattungspflichtigen Kindern, die ohne Lebenszeichen zur Welt kamen und bei ihrer Geburt weniger als 500 Gramm gewogen haben.

Wie gehen betroffene Eltern und ihre Angehörigen damit um?

Habicht-Preis: Das ist sehr unterschiedlich, je nach individueller Beziehung und kulturellem Hintergrund. Gerade bei Wunschkindern kann die Trauer überwältigend sein. Manche Mütter spürten schon die Bewegungen des Kindes und können nicht fassen, dass es dann nicht leben kann.
Brantzen: Daher trauern Frauen anders als Männer ­– aber auch werdende Großeltern oder Geschwister sind betroffen. Manche können sich diesem Verlust kaum stellen, und auch gesellschaftlich ist das Thema noch nicht angekommen.

Welche Rolle spielt eine spezielle Grabstätte für die Familien?

Brantzen: Ein würdiger Ort des Abschieds und der Trauer ist sehr wichtig. Das hilft auch dabei, offen mit dem Schmerz oder den Schuldgefühlen umzugehen und darüber zu sprechen: Reden kann befreien und die Betroffenen gegenseitig stärken. Insofern ist das seit 2001 bestehende Grabfeld auf dem Neuen Friedhof in Offenbach sehr wichtig. Wir bieten hier jeden ersten Dienstag im Quartal eine Bestattung mit Trauerfeier an, zu der wir auch immer einen Imam einladen

Wie waren und sind die Reaktionen auf diesen „Hain der Ungeborenen“?
Habicht-Preis: Die Eltern sprechen von „still geboren“, das finden wir passender. Deshalb nennen wir es lieber Grabfeld der „Sternenkinder“, was natürlich auch nur ein Hilfsbegriff ist. Viele besuchen diesen Ort regelmäßig, bringen Weihnachtsschmuck, Osterhasen oder ein Windrad vorbei. Die Trauerferien selbst sind sehr unterschiedlich besucht. Wer möchte, kann sich danach im Treffpunkt Friedhof mit uns austauschen – dieses Angebot hat kürzlich eine achtköpfige Familie genutzt. Häufig ist bei größeren Kindern das Bedürfnis nach Namensschildern da, und wir freuen uns, dass diese für das neue Feld eingeplant sind.

Leuchtturm für die Sternenkinder

Ein neues Sternenkinderfeld entsteht bis Januar 2020 in der Mitte des Neuen Friedhofs. Geplant sind „Bestattungsinseln“ mit einem Leuchtturm als zentrale Skulptur. An einer Basaltstele können Eltern, die ihrem tot geborenen Kind einen Namen gegeben haben, ein entsprechendes Schild anbringen lassen. Seit November 2001 gibt es auf dem Friedhof bereits ein kleines Feld für Sternenkinder, das Anbringen von Namenstafeln ist aber bisher nicht möglich.

Zur Umsetzung des neuen Feldes fehlen noch ca. 6.000 Euro. Daher suchen die Offenbacher Krankenhäuser und die Friedhofsverwaltung nun Sponsoren und Spender, die das Vorhaben unterstützen.

Interessierte werden gebeten sich zu melden unter 069 / 84 00 04 590.