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Das sogenannte „Türkengrab“ auf dem Alten Friedhof ist unscheinbar – und doch etwas Besonderes: Es bezeugt ein Begräbnis nach islamischem Ritus auf einem christlichen Friedhof, was vor rund 100 Jahren noch sehr selten vorkam.
"Türkengrab" auf dem Alten Friedhof
© Alex Habermehl

Beigesetzt ist dort der türkische Student Nusret Alaeddin: Er studierte an der Baugewerbeschule, einem Zweig der Technischen Lehranstalten, in Offenbach und starb 1920 im Alter von 20 Jahren an einer Lungenentzündung. Während des Ersten Weltkriegs und in der Zeit danach kamen einige junge Türken aus hochgestellten Familien zum Studium an den Technischen Lehranstalten - der heutigen HfG Hochschule für Gestaltung – nach Offenbach. Nach seinem Tod konnte er witterungsbedingt nicht in die Heimat überführt werden und wurde daher auf dem Alten Friedhof bestattet. Die arabischen Inschriften auf dem Grabstein lauten, frei übersetzt: „Allah möge mir vergeben!“ und „Allah möge mich segnen!“

Es existiert die Vermutung, dass es sich bei dem Verstorbenen um einen „Şehzade“, also den Nachkommen eines Osmanischen Prinzen handeln könnte. Zudem gibt es Spekulationen, dass der Student zum Christentum konvertiert war, denn sein Grab ist nicht nach Mekka ausgerichtet. In jedem Fall stellt das denkmalgeschützte „Türkengrab“ bis heute das einzige muslimische Grab auf dem Alten Friedhof in Offenbach dar. Dagegen fanden 2020 auf dem Neuen Friedhof 35 muslimische Beerdigungen statt, deutlich mehr als in den Jahren zuvor.

"Türkengrab" auf dem Alten Friedhof Alex Habermehl
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