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Friedhöfe sind weit mehr als Ruhestätten für die Verstorbenen: Sie bewegen die Menschen, sie schaffen Gemeinschaft und bilden die Gesellschaft im Laufe der Jahrhunderte ab. Wegen dieser Qualitäten gilt die Friedhofskultur seit März 2020 als „immaterielles Kulturerbe“ der UNESCO – und der Neue Friedhof in Offenbach gehört zu den ersten 100 deutschen Ruhestätten, die hierfür im September als Leuchtturmprojekte gekennzeichnet wurden.
Neuer Friedhof Offenbach
Die UNESCO würdigt Ruhestätten wie den Neuen Friedhof in Offenbach als "kraftvoll, lebendig und identitätsstiftend“. © Alex Habermehl
„Wir haben uns für diese Aktion angemeldet, da wir mit Veranstaltungen, Treffpunkten und Grabpatenschaften einiges zur Friedhofskultur beitragen“, sagt Gabriele Schreiber, Leiterin der Städtischen Friedhöfe in Offenbach. Die Auszeichnung als immaterielles Kulturerbe hatte die Kulturministerkonferenz auf Empfehlung der deutschen UNESCO-Kommission beschlossen. „Das holt die Friedhöfe aus der Gruselschublade, schenkt ihnen mehr Aufmerksamkeit und rückt Tabuthemen in den Blickpunkt“, freut sich Schreiber.

Skulpturenparks, die dem Naturschutz dienen

Zum immateriellen Kulturerbe ernannt wurde das, was Menschen auf dem Friedhof tun: Sie trauen um Angehörige oder Freunde und erinnern sich an sie. Sie finden Halt in Ritualen, die ihnen dabei helfen, die Unfassbarkeit des Todes zu verarbeiten. Sie pflegen die Gräber, feiern Gedenktage und entwickeln neue Bestattungsformen. Der Neue Friedhof in Offenbach bildet – wie alle anderen Friedhöfe – den Kulturraum dafür: „kraftvoll, lebendig und identitätsstiftend“, wie es im offiziellen Flyer heißt.

Dazu zählen auch die Grabmale im Wandel der Zeit, die einiges über die Geschichte des Landes und der Kommune erzählen: Mit ihrem vielfältigen Spektrum an Figuren, Reliefs oder Stelen lassen sich die Friedhöfe als größter Skulpturenpark Deutschlands bezeichnen. Außerdem gehören die Anlagen zu den wichtigen Grünflächen einer Stadt, die mit ihrem Pflanzenreichtum wesentlich zum Klima- , Natur- und Artenschutz beitragen. In diesen Oasen können sich die Menschen eine Auszeit nehmen, um zur Ruhe zu kommen oder über die Kernfragen unseres Seins zu philosophieren. Hier kommen Menschen jedes Alters und jeder Religion im Leben wie im Tod zusammen und überwinden so manch trennende Grenzen. Daher haben Christen, Muslime und Juden gemeinsam die Ernennung der Friedhofskultur zum immateriellen Erbe unterstützt.

Zum immateriellen Kulturerbe in Deutschland zählen auch das Sternsingen, das Bierbrauen und die Chormusik. Mehr Infos zum Thema: www.kulturerbe-friedhof.de