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Feuerwehrmänner vor Sanitätsbaracke
© Feuerwehr Offenbach
Eng verwoben mit der Geschichte der Feuerwehr ist die Entstehung des Rettungsdienstes: Dieser ging Ende des 17. Jahrhunderts aus dem Turnverein (TVO) hervor, dessen Mitglieder sich auf freiwilliger Basis zu Sanitätern ausbilden ließen.
Mit der industriellen Revolution, die sich zunächst in England entfaltete, wurden die Lebensbedingungen der Bevölkerung, insbesondere in den Städten, zum Teil dramatisch verschlechtert.
Ursprünglich waren die Sanitäter für den Transport der Kranken verantwortlich - im 17. Jahrhundert musste dieser von den Angehörigen selbst organisiert werden und wurde mit Tragen, Handwagen oder Pferdefuhrwerken durchgeführt. Der Arztbesuch erfolgte meistens nur bei akuten Schmerzen oder körperlichem Zusammenbruch, während das Krankenhaus dem Notfall oder der Isolation vorbehalten war. Erst moderne Operationsmethoden zogen Bürger zunehmend in das Krankenhaus. In Offenbach entstand 1825 ein erstes kleines Hospital an der der Französisch-reformierten Kirche Dieses war kaum ausreichend für die seinrezeit circa 7.000 Einwohner der Stadt. Daher stellte der Mediziner Dr. Hauck um 1850 seine da-mals am Stadtrand gelegene Hofreite an der Ecke Kaiserstraße/ Geleitsstraße für ein weiteres Hospital zur Verfügung. Damit hatte Offenbach nun zwei kleine Hospitäler, die jedoch noch immer nicht für die Versorgung der weiter wachsenden Stadt ausreichten. 1858 begann der Bau eines neuen Hospitals in der späteren Hospitalstraße.

Erster Zusammenschluss der Turner in der "Freiwillige Sanitätskontrolle"

Wie in mehreren deutschen Städten schlossen sich auch 1866 in Offenbach 60 junge Männer des Turnvereins zu einer „freiwilligen Sanitätskolonne“ zusammen. In der Folge entstand bei der Freiwilligen Feuerwehr Offenbach mit Hilfe der Turner eine Sanitätsabteilung, zeitgleich bildete sich ein Zweigverein des 1879 in Berlin gegründeten „Zentralkomitee der deutschen Vereine vom Roten Kreuz“.
1861 tauchte erstmals ein Chirurg in der Mannschaftsaufstellung der Freiwilligen Feuerwehr auf, der Verletzte schnell vor Ort versorgen konnte. Zudem waren auch Unfälle mit Feuerwehrmännern nicht selten, durch die hölzerne Bauart kam es oft zu Einstürzen Erst über 100 Jahre später kam es wieder dazu, dass Ärzte in Offenbach bei Bränden oder Unfällen mit aus-rückten. Nun mit einem komfortablen, mit Klimaanlage, Heizung und allen erforderlichen medizinischen Geräten ausgestatteten Notarztwagen des Arbeiter-Samariter-Bundes Offenbach.
Handmarie
Eine Hand-Marie war eine gefederte Räderbahre mit Krankentrage. Sie wurde von 2 Sanitä-tern im Handzug gefahren, hatte einen Wetterschutz aus Segeltuch und war für die den engen Gassen und Höfe der Altstadt bestens geeignet.. © Feuerwehr Offenbach
1883 sorgte Reichskanzler Otto von Bismarck dafür, dass alle Deutschen in den Genuss ärztlicher Behandlung kommen konnten, schon zwei Jahre darauf, 1885, schaffte die Freiwillige Feuerwehr Offenbach eine Handmarie an, um Verletzte zum Arzt oder zum Hospital transportieren zu können. Sie tat bis 1907 ihren Dienst und wurde danach als Werkzeugkarren weitere Jahre verwendet.

Neuregelung des Krankentransports

Automobilaufnahme schwarz/weiß
1912, Werkfotos Krankentransportautomobil, Adler © Feuerwehr Offenbach
Rückseite
© Feuerwehr Offenbach
Bis das Rote Kreuz Offenbach im November 1912 das Rote Kreuz ein Automobil für Kran-kentransporte anschaffte, wurden diese mit Pferdefuhrwerken durchgeführt. Den Kaufpreis von rund 18.000 Reichsmark hatten übrigens mehrere gut situierte Bürger gestiftet. Für kurze Strecken wurden aber weiterhin Räderbahren verwendet.
Nur ein Jahr später übergab das Rote Kreuz das Krankentransportautomobil der Feuerwehr und die Stadt regelte den Krankentransportdienst neu:

"Die Stadt, ausgeführt durch die Feuerwehr, ist zur Gestellung des Krankentransportautomobils und des Fahrers verpflichtet. Der Betrieb und die Unterhaltung des Sanitätskraftwagens, sowie das Gehalt des Fahrers, erfolgt auf städtische Kosten. Das Sanitätsmaterial dagegen wird vom Roten Kreuz gestellt. Das Rote Kreuz stellt hierzu auch die erforderlichen Sanitäts-mannschaften und auch die Besetzung der Rettungsstelle. Die Rettungsstelle befindet sich im Feuerwehrhaus Herrnstr. 50."

Sanitätsbaracke
© Feuerwehr Offenbach
Der gemischte Betrieb von Feuerwehr und Rotes Kreuz brachte allerdings einige Nachteile mit sich, weshalb das Rote Kreuz 1925 die Stadt bat, Krankentransporte der Berufsfeuerwehr zu übertragen. Dazu stellte die Stadt zwei zusätzliche Berufsfeuerwehrmänner ein.

Offenbach wächst - und damit die Zahl der Verletzten

Inzwischen war die Einwohnerzahl in Offenbach auf 80.000 Personen angewachsen und der Krankentransportwagen von 1924 konnte die anfallenden Transporte nicht mehr bewältigen. Verstärkung bekam er 1928 durch einen neuen Krankentransportwagen der Firma Opel.
schwarz-weiß Aufnahme des Automobils
1924 Daimler-Benz Krankentransportwagen vom Typ 1 CN © Feuerwehr Offenbach
Erst 1936 endete die vierzigjährige Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und dem Deutschen Roten Kreuz. Nun führte die Berufsfeuerwehr die alltäglich anfallenden Krankentransporte und den Betrieb der Rettungsstelle allein durch. Für außergewöhnliche Ereignisse stand das Rote Kreuz mit seinen Sanitätern jedoch weiterhin zur Verfügung.
Mit einem sogenannten Führererlass am 30.11.1942 wurde das Rettungswesen im Deutschen Reich dem Deutschen Roten Kreuz unterstellt. Daher wechselten auch in Offenbach morgens um 8.00 Uhr die Sanitätskraftwagen Opel VH-12308 und der Sanitätskraftwagen Adler VH-20841 einschließlich Inventar, Werkzeugen und allen Papieren den Besitzer. Sogar der Restbestand von 150 Liter Benzin aus dem Monatskontingent von 400 Liter Betriebsstoff wurde übergeben. Der Feuerwehr Offenbach blieben die Sanitätskraftwagen Daimler-Benz von 1924, der reichseigene Magirus-Sanitätskraftwagen und der Ford V8 von 1941. Diese wurden zum eigenen Schutz der inzwischen auf 250 Mann angewachsenen Feuerwehr genutzt

Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg

Im Jahr 1951 sollte Feuerwehr erneut das Krankentransportwesen in der Stadt übernehmen. Der damalige Amtsleiter der Berufsfeuerwehr, Brandoberinspektor Ludwig Reiter, lehnte jedoch mit Verweis auf die personelle und bauliche Situation ab, so dass diese weiterhin vom Deutschen Roten Kreuz und vom Arbeiter-Samariter-Bund durchgeführt wur-den.
Unimog
Unimog, 1962 © Feuerwehr Offenbach

Am 19. Februar 1973 nahm die gemeinsame Notruf-Alarmzentrale für Unfallrettung, Krankentransport und Katastrophenschutz des Kreises und der Stadt Offenbach, in der Rhönstraße, ihren Betrieb auf. Ab diesem Tag liefen die Notrufe in dieser Leitstelle auf und wurden auch hier koordiniert.

Im September 1973 wurde der erste Notarztwagen, ein Fahrzeug des ASB Offenbach in Dienst gestellt. Er war im Stadtkrankenhaus stationiert und mit Ärzten des Stadtkrankenhauses besetzt.

In den 1970er bis in die 1990er Jahre nutzte die Berufsfeuerwehr den vorhandenen Sanitätskraftwagen weiterhin zum Eigenschutz für die Feuerwehrmänner. Dieser wurde auch zur Unterstützung des Rettungsdienstes eingesetzt, wenn dort alle Fahrzeuge bei Eingang eines weiteren Notrufes bereits im Einsatz waren. Nach der Erstversorgung des Patienten durch die Feuerwehr musste der Transport danach allerdings von einem Rettungswagen des DRK oder ASB durchgeführt werden. Erst 1999 stieg die Berufsfeuerwehr sukzessive wieder in den Regelrettungsdienst ein und ist heute mit einem Rettungswagen fester Bestandteil im öffentlichen Rettungsdienst der Stadt Offenbach am Main.

Heute

Heute wird die Notfallrettung und der Krankentransport vom Arbeiter Samariter Bund, vom Deutschen Roten Kreuz, vom Malteser Hilfsdienst und von der Berufsfeuerwehr durchgeführt. Wie wichtig dieser Dienst für die Bevölkerung ist, erkennt man aus der Anzahl der Transporte. Im Jahr 2014 fuhren diese Organisationen 13.500 Transporte und die Notärzte waren 4.200-mal in Offenbach unterwegs.
gelb-roter Rettungswagen
2007, MercedesChrysler / Fahrtec, OF F 2083 © Feuerwehr Offenbach