Sprungmarken
Aktuelles Wetter:bedecktC
Suche
Suche

Der Vorhang ist gefallen: E-Bus bei der Prösentation auf dem Betriebshof
Der Vorhang ist gefallen und die OVB hat ihre E-Busflotte vorgestellt. © Alex Habermehl
Die Scheinwerfer sind auf den großen Vorhang mit der Waldkulisse gerichtet. Nebelschwaden wabern, spannungsgeladene Musik erklingt. Dann lichtet sich die Szenerie und es heißt: Bühne frei für eines der neuen Flaggschiffe der Offenbacher Verkehrs-Betriebe (OVB), einen zwölf Meter langen Solaris-Elektrobus. Zusammen mit sechs weiteren Fahrzeugen des polnischen Herstellers wird der Urbino E12 ab dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember im Linienbetrieb eingesetzt werden.

Corona-bedingt nicht im Rahmen einer feierlichen Großveranstaltung, sondern virtuell im Internet hat das Mobilitätsunternehmen der Stadtwerke Offenbach seine neue Elektrobus-Flotte der Öffentlichkeit vorgestellt. Sie besteht aus sechs Solaris-Standardbussen Urbino E12 und einem Gelenkbus Urbino E18. Bis Ende nächsten Jahres soll die Flotte um weitere 29 Fahrzeuge, (20 Standard- und neun Gelenkbusse) auf dann 36 E-Busse wachsen.

Durch ein unterhaltsames Programm mit vielen Informationen rund um die neuen leisen Riesen – von der Ladetechnik und der Wartung über die Schulung des Fahrpersonals bis hin zur Innenausstattung der auch optisch auffälligen E-Busse - führt die Offenbacher Radio-Moderatorin Evren Gezer. Die OVB gewähren damit einen Blick hinter die Kulissen, der auf der Website jederzeit auch nachträglich noch möglich ist. 

Atmen!

Rehkitz, Specht und Eichhörnchen tummeln sich inmitten von Waldbäumen und  Bienen summen durch die Luft: Die Botschaft, die die neuen E-Busse in ihrem grünen Mobilitäts-Outfit vermitteln, ist eindeutig: „atmen!“ prangt in großen Lettern auf den Fahrzeugen. Und  „Bessere Luft. Mit den E-Bussen“.

E-Bus auf dem Betriebshof des Stadtwerke-Geschäftsfelds Mobilität
„atmen!“ prangt in großen Lettern auf den E-Bussen. © Alex Habermehl
„Die E-Busse stehen für den Schutz des Klimas, die Verkehrswende und für mehr Lebensqualität für alle Offenbacherinnen und Offenbacher“, erläutert Offenbachs Mobilitätsdezernentin  Sabine Groß. Mit einem gut ausgebauten und elektrifizierten Nahverkehrssystem gebe die Stadt eine Antwort darauf, wie sich erhöhte Mobilitätsanforderungen zeitgemäß und klimaschonend bewältigen ließen. Der ökologische und gesundheitliche Nutzeffekt sei enorm. Durch den Austausch von 36 Dieselfahrzeugen gegen Elektrobusse könnten jährlich über 3.000 Tonnen CO2 und über 1.300 Kilo NOx eingespart werden.

Offenbach zählt zu „Vorreitern der Verkehrswende“

Ein dickes Lob spendet Hessens Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, Tarek Al-Wazir, seiner Heimatstadt und ihren Verkehrsbetrieben. Ob Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs, Verknüpfung von ÖPNV und Individualverkehr durch inzwischen sechs Mobilitätsstationen mit elektromobilem Car- und Bike-Sharing oder jetzt die Elektrifizierung der Stadtbus-Flotte: Die Stadt Offenbach zähle zu den „Vorreitern der Verkehrswende“.

Das Land Hessen habe die Umstellung auf Elektrobusse  deshalb auch gerne finanziell unterstützt. Tarek Al-Wazir: „Wer sehen will, wie ein klimafreundliches Mobilitätssystem entsteht, muss nur nach Offenbach kommen.“

Meilenstein in der 136-jährigen Geschichte der OVB

„Für uns“, so OVB-Geschäftsführerin Anja Georgi, „ist die Vorstellung der neuen Elektrobusse ein Meilenstein in der 136-jährigen Geschichte der Offenbacher Verkehrs-Betriebe.“ Die OVB wechselten ja nicht einfach nur den Antrieb einiger Fahrzeuge, sondern stellten den gesamten Betrieb auf eine völlig neue Technologie um. Mehr als drei Jahre habe das Stadtwerke-Unternehmen diesen Wandel vorbereitet. Anja Georgi: „Die größte Herausforderung dabei ist der Umbau unseres Betriebshofes bei laufendem Betrieb gewesen.“

Diesen Umbau mit neuer Energieversorgung und neuer Ladeinfrastruktur sowie 40 Prozent der Mehrkosten für die ersten sieben E-Busse gegenüber Dieselfahrzeugen hat das Land Hessen mit 5,2 Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Strukturfonds (EFRE) gefördert. Der Bund fördert aus Mitteln des Energie- und Klimafonds (EKF) 80 Prozent der Mehrkosten für die bereits bestellten weiteren 29 E-Busse mit acht Millionen Euro.

Investitionen in die Infrastruktur aber niedrigere Betriebskosten

„Mit einer Förderung in Höhe von zusammen 13,2 Millionen Euro konnten wir die Förderfenster effektiv nutzen“, freut sich OVB-Geschäftsführer Heiko Linne, der bei dem Stadtwerke-Unternehmen den kaufmännischen Bereich verantwortet. Nach Abzug der Förderung verbleibe bei den OVB ein Eigenanteil in Höhe von 12,7 Millionen Euro. Die Investitionskosten würden in Abhängigkeit der jeweiligen Nutzungsdauer buchhalterisch abgeschrieben. Nach der letztjährigen Planung seien das bezogen auf 2022, wenn alle 36 Fahrzeuge samt Infrastruktur in Betrieb seien, rund 900.000 Euro pro Jahr.

Heiko Linne: „Beim Wechsel zum Elektroantrieb muss eines klar sein: Die Umstellung auf Elektrobusse kostet zunächst mehr, als weiterhin mit Dieselbussen zu fahren.“ Schließlich müsse zunächst einmalig in die Infrastruktur investiert werden.  Doch auch, wenn sich das erst nach den ersten Betriebsjahren sagen lassen werde: Er rechne gegenüber den Dieselbussen allein schon wegen der geringeren Zahl an wartungsintensiven Antriebskomponenten mit niedrigeren Betriebskosten. Zudem seien E-Busse langlebiger und es entfielen absehbar steigende Bezugskosten für Dieselkraftstoff und etwaige Nachrüstungen von Abgasreinigungstechnik.

Bald zu Schulungszecken in Offenbach unterwegs

Innenraum des E-Busses
So sehen die neuen Busse von innen aus. © Alex Habermehl

Die Offenbacher Elektrobusse werden über Nacht im OVB-Depot mit vom Bus-Dach ausfahrbaren Stromabnehmern (Pantographen) geladen, die von der Decke hängende Ladehauben kontaktieren. Zusätzlich werden die Fahrzeuge nach jedem Linien-Umlauf an vier Außenladepunkten an der Wendeschleife Kaiserlei und einem noch in Planung befindlichen Ladepunkt an der Endhaltestelle An den Eichen zwischengeladen. Gewartet werden die E-Busse in der dafür voll ausgerüsteten OVB-Werkstatt von speziell geschultem Servicepersonal.

Die mit Öko-Strom betriebenen E-Busse verfügen jeweils hinten über eine zusätzliche Tür für den schnelleren Fahrgastwechsel, ein Fußgängerwarnsystem beim Anfahren der Haltestellen sowie über grüne Innenbeleuchtung mit regelbarer Lichtstärke, USB-Ladesteckdosen, beleuchtete Stop-Taster und hochkontrastreiche Fahrtzielanzeiger.

Die OVB werden die neuen Elektrobusse in Kürze schon zu Schulungszwecken im Straßenverkehr einsetzen. Vereinzelt werden die Fahrzeuge also schon vor dem Fahrplanwechsel im Stadtbild zu sehen sein.

20. November 2020