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Fragen zum ÖPNV-Angebot und dessen Entwicklung

Was leistet der ÖPNV für die Stadt?

Offenbach ist eine schnell wachsende Großstadt inmitten der Metropolregion mit aktuell rund 140.000 Einwohnern. In nur zehn Jahren ist die Bevölkerungszahl in der Größenordnung einer Kleinstadt mit rund 20.000 Einwohnern gestiegen.

Mit der wachsenden Zahl an Menschen und Arbeitsplätzen (werktäglich 70.000 Pendler) erhöht sich auch der Mobilitätsbedarf. Immer mehr Autos drängen sich auf dem zunehmend überlasteten Straßennetz. Allein von 2015 bis 2019 sind 4.475  Fahrzeuge hinzugekommen. Die Folge dieser anhaltenden Entwicklung: Mehr Stau, mehr Lärm, schlechtere Luft.

Das stellt die Stadt vor eine große Herausforderung. Der Zunahme des Individualverkehrs mit erhöhten Abgas- und Lärmbelastungen kann nur mit einem innovativen, nachhaltigen Verkehrskonzept und einem leistungsstarken ÖPNV begegnet werden. Dafür reichten jedoch die bisherigen Kapazitäten im Stadtbusverkehr nicht aus. Die Stadt hat darauf mit einer Ausweitung des ÖPNV ab Dezember 2018 reagiert.

Um eine attraktive Alternative zum Auto zu bieten, braucht Offenbach ein auf die unterschiedlichen Mobilitätsbedürfnisse zugeschnittenes Angebot klimafreundlicher, öffentlicher Verkehrsmittel. Ziel ist es, Abgas- und Lärmbelastungen zu verringern, klimaschädliche Emissionen zu vermeiden und den Individualverkehr und somit auch Staus auf den Straßen zu reduzieren.

Ein starker ÖPNV, insbesondere ein leistungsfähiger Stadtbus-Verkehr, stellt sicher, dass Mobilität im Ballungsraum funktioniert, und gehört somit zu den wichtigsten Aufgaben kommunaler Daseinsvorsorge. Ein attraktiver ÖPNV mit einem dichten Haltestellennetz, bequemen Abfahrtzeiten und multimodalen  Verbindungen hält die Menschen in Offenbach mobil und bietet einen guten Anreiz, eigene Nutzergewohnheiten zu überdenken, das Auto stehen zu lassen und damit einen ganz individuellen Beitrag zu Klimaschutz und Verkehrswende zu leisten. Überdies ist ein guter ÖPNV nicht nur ein Aushängeschild einer  Stadt, sondern auch ein öffentlicher Raum der Begegnung.

Gute S-Bahn- und Busanbindungen, ergänzende, auch elektromobile Sharing-Systeme sowie Fahrradstraßen mit Vorrang für das Fahrrad helfen, den Straßenverkehr und die Umwelt zu entlasten und die Lebensqualität in Offenbach zu verbessern. Ein leistungsfähiges öffentliches  Nahverkehrssystem ist damit auch für Autofahrer vorteilhaft und überdies ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Wie sieht ein nachhaltiges Nahverkehrskonzept aus?

Ziel ist es, mehr Verkehr auf Bus und Bahn, aufs Fahrrad und das Zu-Fuß-Gehen zu verlagern und dafür die nötige Infrastruktur zu schaffen. Zu einem nachhaltigen, umweltfreundlichen Mobilitätskonzept zählt die Vernetzung verschiedener Verkehrsmittel, von der S-Bahn bis zum Leihfahrrad. Damit entstehen attraktive, multimodale und intermodale Mobilitätsketten, die unter Einbindung auch von Car- und Bike-Sharing eine passgenaue, schadstoffarme Tür-zu-Tür-Mobilität mit intelligenten Umsteigemöglichkeiten, komfortablen Anschlüssen und individuellen Verkehrsanbindungen ermöglichen.

Ist der Stadtbus-Verkehr im Vergleich zum motorisierten Individualverkehr an sich schon umweltschonend, lässt sich der Schadstoffausstoß der Busse lokal durch den Ersatz der Diesel- durch Elektrofahrzuge noch erheblich senken, am Ende sogar ganz vermeiden.

Ausbau und Elektrifizierung des Stadtbusverkehrs sind deshalb nicht nur Bestandteile des Offenbacher Nahverkehrsplans für die Jahre 2018 bis 2022, sondern zugleich wichtige Bausteine der städtischen Gesamtstrategie zur Luftreinhaltung und des Offenbacher Klimaschutzkonzeptes.

Zu diesem Maßnahmenbündel, mit dem aufgrund eines anhängigen Klageverfahrens gegen das Land Hessen drohende Fahrverbote in Offenbach vermieden werden sollen, zählen ebenfalls eine umweltsensitive digitale Verkehrssteuerung und -verflüssigung, eine wirkungsvolle Führung des Schwerverkehrs im Stadtgebiet und die Verbesserung von Radverkehrsangeboten.    

Wie wird das nachhaltige Nahverkehrskonzept in Offenbach umgesetzt?

Die Stadt Offenbach und die Stadtwerke-Unternehmensgruppe mit ihren Mobilitätsunternehmen NiO, OVB und MMO zielen mit ihrem seit Dezember 2018 verbesserten ÖPNV-Angebot auf ein verändertes Mobilitätsverhalten der Bevölkerung. Um die jährlichen Fahrgastzahlen von derzeit rund elf  Millionen Menschen (nur Busverkehre, also ohne S-Bahn etc.) zu steigern und vor allem die Innenstadt von Verkehr zu entlasten, wurde in einem ersten Schritt der Leistungsumfang des Stadtbusverkehrs um ein Drittel erweitert und mit alternativen Angeboten wie dem elektromobilen Car- und Bike-Sharing ergänzt.

Weil mehr Diesel-Busse aber auch zu mehr Schadstoffbelastung der Luft führen, soll in einem zweiten Schritt die gesamte Flotte ab Fahrplanwechsel 2020 sukzessive bei jeder altersbedingten Fahrzeug-Neubeschaffung auf Elektroantrieb umgestellt werden. Bereits bis zum Jahr 2022 werden auf diese Weise 36 der 87 Stadtbusse der Offenbacher Verkehrs-Betriebe (OVB) und ihres Subunternehmens emissionsfrei fahren.

Das setzt die entsprechende Infrastruktur voraus, also den Umbau des OVB-Betriebshofes und die Bereitstellung der erforderlichen Ladestruktur sowohl am Unternehmenssitz in der Hebestraße als auch an den Ladepunkten an den Wendeanlagen im Kaiserleigebiet und An den Eichen.

Welche planerischen und genehmigungsrechtlichen Grundlagen gibt es bezüglich der Ausweitung der Verkehre (a) und der Elektrifizierung der Verkehre (b)?

Ausweitung der Verkehre

Mit dem Auftragsbeschluss des OVB-Aufsichtsrates im September 2016, einen Umsetzungsplan für die Einführung von Elektrobussen zu entwickeln, und dem im November 2017 mit breiter Mehrheit getroffenen Beschluss des neuen Nahverkehrsplans durch die Stadtverordnetenversammlung haben die NiO – Nahverkehr in Offenbach GmbH als lokale Aufgabenträgerorganisation des ÖPNV und ihre Tochter OVB als ausführender Mobilitätsdienstleister grünes Licht für die Erweiterung des Leistungsumfangs des Stadtbusverkehrs um ein Drittel sowie für die schrittweise Elektrifizierung der kompletten Busflotte erhalten.

In einer zweiten Umsetzungsphase des für die Jahre 2018 bis 2022 aktualisierten Mobilitätskonzeptes soll – voraussichtlich ab dem Fahrplanwechsel 2021 – das Liniennetz erweitert und das Neubaugebiet Bürgel-Ost erschlossen und die Wohnsiedlung An den Eichen mit einer zweiten Linie besser angebunden werden.

Der Aufstellung des neuen Nahverkehrsplans ging eine zweijährige Planungsphase unter intensiver Beteiligung der Träger öffentlicher Belange, der Bürgerinnen und Bürger und auch der Kommunalpolitik voraus. Vertreterinnen und Vertreter aller Fraktionen beteiligten sich dabei in einer Arbeitsgruppe.    

Die Entscheidung des Stadtparlaments für die Erweiterung des Leistungsangebotes im Stadtbusverkehr und die Umstellung der Fahrzeugflotte auf Elektromobilität wurde mit Blick auf das Bevölkerungswachstum, die neu entstehenden Wohngebiete und die Luftverschmutzung getroffen.

Elektrifizierung der Verkehre

Auf der Grundlage des Aufsichtsratsbeschlusses führten die Verkehrs-Betriebe mit Unterstützung des Landes Hessen zunächst eine Voruntersuchung und im Anschluss mit Unterstützung des Bundesverkehrsministeriums eine Machbarkeitsstudie zur Elektrifizierung der Busflotte durch. Die Ergebnisse dieser Studie wurden im Februar 2018 in einer Sitzung des Aufsichtsrates und anschließend in einer öffentlichen Veranstaltung vorgestellt, zu der auch die Stadtverordneten und die Presse eingeladen waren.

Im Zuge des Planungsprozesses für die Ertüchtigung des OVB-Betriebshofes wurden Kostenschätzungen von Ingenieurbüros eingeholt.

Gibt es verpflichtende Vorgaben der EU für die öffentliche Beschaffung sauberer Busse?

Das Europäische Parlament hat bereits im April 2019 eine Richtlinie verabschiedet, die für öffentliche Unternehmen und Behörden verbindliche Beschaffungsziele für emissionsarme beziehungsweise emissionsfreie Fahrzeuge festlegt und ab August 2021 in zwei Phasen umgesetzt werden soll. Zurzeit wird diese Direktive noch in nationales Recht umgesetzt.      

Bei ihren Bemühungen, die Treibhausgas-Emissionen zu senken, spielt der Verkehrssektor für die EU-Klimapolitik eine Schlüsselrolle. Eines der Kernziele ist die Verlagerung von Straßenverkehren auf umweltfreundliche Verkehrsträger. Darüber hinaus sollen die Emissionen durch eine Antriebswende gesenkt werden. Vorreiter dieser Abkehr vom Verbrennungsmotor soll der ÖPNV mit seinen Bussen werden.

Rechtliche Grundlage hierfür ist die 2019 vom Europäischen Parlament beschlossene „Clean Vehicles Directive“ (CVD). Diese „Richtlinie über die Förderung sauberer und energieeffizienter Fahrzeuge“ gibt den Mitgliedsstaaten und deren Behörden und öffentlichen Unternehmen konkrete Vorgaben, wie groß der Anteil an „sauberen“ und „emissionsfreien“ Fahrzeugen bei der Neubeschaffung oder auch bei der Auftragsvergabe im ÖPNV sein muss.

Als „sauber“ gelten danach emissionsarme Fahrzeuge, die alternative Kraftstoffe wie Wasserstoff, Erdgas, Biomethan, Flüssiggas oder Strom (auch Plug-In-Hybrid-Busse) nutzen.  „Emissionsfrei“ hingegen sind im Sinne der Richtlinie ausschließlich Fahrzeuge ohne Verbrennungsmotor wie etwa Busse mit reinem Elektroantrieb. 

Für Deutschland liegt die Mindestbeschaffungsquote für Busse mit „sauberer Antriebstechnologie“ in einer ersten Phase bis 2025 bei 45 Prozent, in einer zweiten Phase bis 2030 bei 65 Prozent. Jeweils mindestens die Hälfte davon muss emissionsfrei, also rein elektrisch angetrieben werden.

Solange noch keine nationale Umsetzungsregelung vorliegt, besteht für die deutschen Aufgabenträger und Betreiber öffentlicher Busverkehre momentan zwar noch keine Planungssicherheit. Gleichwohl müssen sie sich darauf einstellen, dass sie die neue  Richtlinie ab 2021 schrittweise umzusetzen haben. Hierfür wird schnelles Handeln erforderlich sein, denn die Umstellung auf umweltfreundliche Antriebstechnologien bedarf in der Regel einer Vorlaufzeit von bis zu zwei Jahren.

Zu beachten ist auch: Wenn es eine gesetzliche Pflicht gibt, etwas zu tun, dann bedeutet das in der Regel, dass die damit zusammenhängenden Maßnahmen nicht mehr gefördert werden. Das kann also bedeuten, dass die Fördertöpfe für die Anschaffung von Elektrobussen und Ladeinfrastruktur nicht mehr gefüllt werden.

Offenbach braucht sich um die Erfüllung der EU-Quoten keine Gedanken zu machen. Die Stadtwerke-Gruppe ist bereits dabei, ihr Mobilitätsunternehmen OVB zukunftssicher aufzustellen. Bis 2022 werden 36 der 87 Stadtbusse völlig emissionsfrei fahren, die ersten Elektrobusse werden bereits Ende 2020 zum Linieneinsatz gelangen. 

Wie geht es weiter in den kommenden Jahren mit dem Nahverkehrsplan?

In einem Folgebeschluss des Stadtparlaments von 2019 ist die Stadtwerke-Gruppe mit ihrem Geschäftsfeld Mobilität noch einmal darin bestätigt worden, dieses innovative Zukunftskonzept umzusetzen, begleitend dazu aber bereits ein Jahr früher als ursprünglich vorgesehen, nämlich ab Herbst 2019, eine Analyse der zur Verfügung stehenden Fahrgastzahlen als Grundlage für die Erarbeitung des nächsten Nahverkehrsplans vorzunehmen.

Bei dieser Betrachtung sollen ebenfalls die Zahlen von 2020 berücksichtigt werden, so dass in die Analyse der Entwicklung der Fahrgastzahlen Daten von zwei Jahren einfließen. Die Daten aus dem Jahr 2020 werden durch die Corona-Pandemie stark geprägt sein und damit nur eingeschränkt verwertbar sein.

Das Stadtwerke-Unternehmen NiO Nahverkehr in Offenbach GmbH als lokale Aufgabenträgerorganisation wird noch 2020 mit den Vorbereitungen für den neuen Nahverkehrsplan (für die Jahre 2023 bis 2027) beginnen und wie schon bei dem aktuellen Mobilitätskonzept nicht nur die Bürgerinnen und Bürger, sondern ebenfalls wieder die Kommunalpolitik in Form einer Arbeitsgemeinschaft mit Vertretern aller Fraktionen beteiligen.

Ziel ist es, möglichst noch Ende 2021 einen Stadtverordnetenbeschluss herbeizuführen und den neuen Nahverkehrsplan zum Fahrplanwechsel im Dezember 2022 umzusetzen.  

Wo stehen die Offenbacher-Verkehrs-Betriebe beim ÖPNV-Ausbau?

Mit einer umfassenden Strategie haben das Stadtwerke-Unternehmen OVB und dessen  Tochtergesellschaft Main Mobil Offenbach (MMO) zum Fahrplanwechsel 2018 den öffentlichen Busverkehr mit einer Verdichtung der Taktzeiten und einer zeitlichen Verlängerung des Linienbetriebs erheblich ausgebaut.

Mit dieser Leistungserweiterung um ein Drittel werden die Stadt Offenbach und die Mobilitätsunternehmen der Stadtwerke-Gruppe den Erfordernissen eines zeitgemäßen, leistungsfähigen und klimaschonenden Mobilitätsangebotes gerecht. In der schnell wachsenden Großstadt sorgen sie damit für mehr Lebens- und Aufenthaltsqualität gerade auch im Stadtzentrum.   

Offenbachs Stadtbuslinien verkehren seither im innerstädtischen Bereich im 15-Minuten-Takt, auf den Hauptlinien in den Hauptverkehrszeiten sogar im 7,5-Minuten-Takt, und sind werktags bis etwa 2 Uhr nachts in Betrieb.

Für diese Leistungserweiterung ist das Fahrpersonal um 50 auf nunmehr 215 Beschäftigte aufgestockt und die Busflotte um 15 Fahrzeuge auf 87 Diesel-Busse vergrößert worden. Die Kilometer-Leistung des Stadtbusbetriebs ist von 3,3 auf 4,1 Millionen Kilometer gestiegen. Mit der geplanten Erweiterung des Liniennetzes werden es voraussichtlich ab 2021 dann über 4,5 Millionen Kilometer sein. Der operative Ausbau des Stadtbus-Angebotes um ein Drittel ist weitgehend reibungslos gelungen.

Weil auf dem lokalen Arbeitsmarkt für die Umsetzung des Nahverkehrsplans keine Fahrerinnen und Fahrer  verfügbar waren, musste ein Personaldienstleister für die Anwerbung von Fahrpersonal aus dem Ausland eingeschaltet werden. Dies hat die Personalkosten erhöht. Ein Großteil der neuen Fahrerinnen und Fahrer ist inzwischen in die MMO übernommen worden. Insgesamt sind 2019 1,73 Millionen Euro mehr für das Fahrpersonal aus OVB/MMO und Leiharbeitskräften ausgegeben worden als ursprünglich geplant.

Die massive Erweiterung des Leistungsangebotes trägt bereits erste Früchte. 2019 konnte die bisherige Gesamtnutzerzahl des Offenbacher ÖPNV von 10,9 Millionen um 130.000 auf über elf Millionen Fahrgäste gesteigert werden.

Bedauerlicherweise hat die Corona-Pandemie ab April 2020 zu einem starken Rückgang bei den Fahrgastzahlen geführt. Der genaue Umfang der Verluste wird sich in den Jahreszahlen widerspiegeln. 

Fragen zur Elektrifizierung des ÖPNV

Wie kommt die Elektrifizierung der Bus-Flotte voran?

Die europaweite Ausschreibung einer ersten Tranche von sieben Elektrobussen ist abgeschlossen. Den Zuschlag hat 2019 die Solaris Deutschland GmbH erhalten. Das Tochterunternehmen des polnisches Herstellers wird bis Herbst 2020 nicht nur einen eNiederflur-Gelenkbus und sechs eNiederflurbusse liefern, sondern als Generalunternehmen die OVB auch mit der dazugehörigen Ladeinfrastruktur ausstatten.

Die Ertüchtigung des OVB-Betriebshofes ist seit 2019 in vollem Gang. Das Mobilitätsunternehmen wird dabei von Schwesterunternehmen aus den Geschäftsfeldern Immobilien und Stadtservice der Stadtwerke-Gruppe unterstützt. Den Startschuss für die Bauarbeiten hatte im Sommer 2019 der Hessische Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir gegeben. Das Land Hessen bezuschusst den Erwerb der ersten Bus-Tranche mit 40 Prozent der Mehrkosten gegenüber Dieselbussen und fördert den Aufbau der Ladeinfrastruktur mit insgesamt vier Millionen Euro (eventuell zuzüglich einer Mehrmittel-Anmeldung von 1,2 Millionen Euro). Das Land nutzt dazu Mittel des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE).   

Bei dem Projekt handelt es sich um eine der größten Umbaumaßnahmen in der 136-jährigen Geschichte des Offenbacher Traditionsunternehmens. Für die Umstellung auf Elektroantrieb ist eine Mittelspannungsanbindung des Betriebsgeländes und der Umbau zweier Fahrzeughallen sowie auch eine Ertüchtigung der Werkstatt erforderlich. Zeitgleich werden mit dem Umbau Sanierungsarbeiten auf dem Gelände des Betriebshofes durchgeführt, die nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Umstellung auf Elektromobilität stehen.

Für die zweite Tranche von 29 Elektrobussen, die schrittweise ab Frühjahr in Betrieb genommen werden sollen, ist das Ausschreibungsverfahren 2020 abgeschlossen worden. Den Zuschlag hat erneut die Solaris Deutschland GmbH bekommen. Solaris wird in zwei Paketen im Frühjahr und im Herbst 2021 20 Standard- und neun Gelenkbusse liefern. Das Bundesministerium  für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit fördert den Erwerb aus dem Sondervermögen des Energie- und Klimafonds (EKF) mit 80 Prozent der Mehrkosten im Vergleich zu den Kosten eines Dieselbusses. Dieses Förderfenster wird effektiv genutzt. Den Förderbescheid über acht Millionen Euro hatte Bundesumweltministerin Svenja Schulze im Sommer 2019 persönlich übergeben.  

Wie sollen die E-Busse geladen werden?

Die Busse sollen über Nacht im OVB-Betriebshof und tagsüber an dafür vorgesehenen Wendeanlagen mit Energie versorgt werden. In den Fahrzeughallen  hebt sich dabei jeweils ein Stromabnehmer (Pantograph) vom Busdach und kontaktiert eine von der Decke hängende Ladehaube.

Aufgrund der verfügbaren Reichweiten werden die batterieelektrisch angetriebenen Busse tagsüber an den mit Ladepunkten ausgestatteten Wendeanlagen im Kaiserlei und An den Eichen zwischengeladen. Die Elektrofahrzeuge werden dort während ihrer regulären Standzeit in den Umläufen zwischengeladen, so dass ganztägige Einsätze auch im energieaufwändigen Winter- und Sommerbetrieb möglich sind. 

Die externen Ladepunkte erfordern zwar eine nach Abzug der Förderung um 1,56 Millionen Euro höhere Anfangsinvestition. Dafür benötigen die OVB im laufenden Betrieb dank der Zwischenladung an den Außenstandorten weniger Fahrzeuge und Personal gegenüber einer reinen Nachtladung im Depot.

Können die Elektrobusse ausreichend klimatisiert werden?

Die Klimatisierung eines E-Busses erfordert eine nicht unerhebliche Energiemenge, insbesondere bei sehr hohen oder sehr niedrigen Außentemperaturen. Bei einer vollelektrischen Heizung bzw. Klimaanlage kann sich dann die Reichweite reduzieren. Eine rein fossile Heizung ermöglicht zwar einen uneingeschränkten Fahrbetrieb, ist jedoch hinsichtlich der angestrebten Einsparung der Emissionen kontraproduktiv.

Eine Kompromisslösung, die einen uneingeschränkten Betrieb bei gleichzeitig größtmöglicher Schadstoffreduktion ermöglicht, stellt daher die Hybridheizung dar. Hierbei erfolgen Heizung und Klimatisierung in einem bestimmten Temperaturbereich elektrisch über eine Wärmepumpe. Bei Bedarf, beispielsweise bei sehr niedrigen Außentemperaturen unter vier Grad, kann jedoch ein fossiler Heizer, der mit Biokraftstoffen betrieben wird, zugeschaltet werden.

Bei einer Stromabnahme an den Außenladepunkten wie etwa An den Eichen ist vorgesehen, die Zusatzaggregate während des Ladevorgangs ausgeschaltet zu lassen.

Wie hoch ist das Einsparpotenzial an Luftschadstoffen durch die 36 E-Busse?

Der ökologische Nutzeffekt ist enorm. Der bis 2022 geplante Einsatz von 36 E-Bussen wird jährlich über 3.000 Tonnen CO2, über 1.300 Tonnen NOx und über zehn Kilogramm Feinstaub einsparen. Damit lässt sich trotz Ausweitung des Stadtbusverkehrs mit mehr Fahrzeugen und höherer Kilometerleistung der gesamte Flottenverbrauch sogar deutlich senken. Ebenfalls von großem Vorteil ist die Verringerung der Lärmemission.

Wie lange werden noch Diesel-Fahrzeuge im Einsatz sein?

Die letzten Diesel-Busse mit neuester Abgastechnologie sind zum Fahrplanwechsel 2018 angeschafft worden, um die Mehrleistung von einem Drittel im Stadtbusverkehr abbilden zu können. Bei einer Nutzungsdauer von etwa zehn Jahren werden diese Diesel-Busse also noch bis etwa 2028 zur Flotte zählen.  Ab 2020 sollen zunächst 36  Diesel-Fahrzeuge sukzessive bei jeder Ersatzbeschaffung gegen Elektrobusse ausgewechselt werden. Ein vorzeitiger Austausch ist aus wirtschaftlichen Gründen nicht darstellbar.

Die Umstellung der restlichen Busflotte auf Elektroantrieb ab 2023 setzt voraus, dass  die OVB für die Beschaffung der gegenüber Dieselbussen weitaus teureren eBusse erneut Fördermittel in erheblichem Umfang erhalten. Vor der Beschaffung einer weiteren Bustranche soll laut Stadtverordnetenbeschluss von 2019 im Jahr 2022  eine Evaluation zur Elektrifizierung der Busflotte durchgeführt werden.

Passen die E-Busse durch den „Bieberer Schlupf“?

Es ist vorerst nicht geplant, mit den ersten 36 Elektrobussen durch die Bieberer Bahnunterführung („Bieberer Schlupf“) zu fahren. Ob die bestellten ersten sieben Elektrobusse hindurch passen, werden die OVB testen. Sichere Erkenntnisse dazu wird es erst geben, wenn die Fahrzeuge ausgeliefert und mit einem Ladestrom-Abnehmer (Pantograph) auf dem Dach ausgestattet sind.

Warum die Festlegung auf Batteriebustechnik?

Die OVB haben sich vor der Festlegung auf batterie-elektrisch angetriebene Busse intensiv mit den Vor- und Nachteilen verschiedener umweltgerechter Antriebsarten wie Wasserstoff- und Biomethan-Antrieb befasst. Dabei hat sich der batterieelektrische Antrieb als die wirtschaftlich und ökologisch sinnvollste Alternative herausgestellt.

Die Vorteile des Elektroantriebs sind im Wesentlichen: Bei der Batteriebustechnik sind die Lebenszykluskosten geringer und die Marktverfügbarkeit ist höher als etwa bei Fahrzeugen mit Wasserstoffantrieb.

Wasserstoffbusse kosten in der Anschaffung und im Betrieb wesentlich mehr und sind auf dem Fahrzeugmarkt bisher kaum verfügbar. Das haben auch die Städte Frankfurt, Mainz und Wiesbaden erfahren müssen, deren Projekt, der gemeinschaftliche Erwerb von elf Wasserstoffbussen, in diesem Jahr wegen Lieferproblemen des Herstellers vorerst gescheitert ist.

Für Wasserstoffbusse gibt es nur wenige Hersteller, die Beschaffungszeiträume sind wesentlich länger als bei anderen Antriebsarten und die Anschaffungskosten sind unverhältnismäßig hoch. So liegen die Marktpreise von Wasserstoffbussen (Stand: 2019) um und 120.000 Euro beziehungsweise um rund 185.000 Euro höher als bei zwölf- beziehungsweise 18 Meter langen Elektrobussen. Die Energiekosten eines eBusses betragen 0,27 Euro, die eines Brennstoffzellenbusses 0,81 Euro pro Kilometer.

Ein weiteres Argument gegen Brennstoffzellenbusse ist: Eine Wasserstofftankstelle auf dem OVB-Betriebsgelände dürfte aufgrund der Gefahren, die von einer Lagerung im Wohngebiet ausgehen, und ebenfalls wegen des großen Platzbedarfs nicht genehmigungsfähig sein.

Biomethan-Busse sind nicht nur aufgrund ihrer mangelnden Serienreife, sondern auch wegen ihrer zweifelhaften Ökobilanz für den Linienbetrieb nicht geeignet – und das, obwohl sie gegenüber Diesel- und sogar Erdgasfahrzeugen weniger CO2 ausstoßen. Denn zur Gewinnung der benötigten Rohstoffe werden Flächen in Anspruch genommen, die zur Nahrungsmittelproduktion benötigt werden. Außerdem fahren Biomethan-Busse nicht emissionsfrei, bei der Gas-Verbrennung stoßen sie Stickoxide und Feinstaub aus.

Auch der Einsatz synthetischen Methans ist keine Alternative, weil der Strombedarf für dessen Herstellung enorm groß ist.

Warum keine Kombination alternativer Antriebsarten?

Die Mobilitätsunternehmen der Stadtwerke-Gruppe und die Stadt Offenbach werden die Entwicklung anderer Antriebsarten und deren Tests bei anderen Verkehrsbetrieben im Blick behalten. Eine Kombination mehrerer solcher alternativen Antriebe kommt für Offenbach jedoch nicht in Frage. Die OVB beschränken sich aufgrund ihrer Größe und mit Rücksicht auf die zur Verfügung stehenden personellen und finanziellen Ressourcen auf eine zusätzliche Technologie zum Dieselantrieb.

Über welche Erfahrungen verfügt Offenbach mit der Elektromobilität?

Bei der Umstellung der Stadtbus-Flotte auf Elektroantrieb kommt den Offenbacher Verkehrs-Betrieben ihre Kompetenz und ihre nun schon langjährige Erfahrung mit dieser Zukunftstechnologie zugute. Die Stadt Offenbach und die Stadtwerke-Gruppe mit ihrem Geschäftsfeld Mobilität sind Vorreiter, Treiber und auch Vernetzer auf diesem Gebiet.

Bereits 2011 haben die OVB den bundesweit ersten Elektrobus im Linienbetrieb getestet. Zwischenzeitlich wurden immer wieder technisch weiterentwickelte eBusse auf ihre Alltagstauglichkeit im Offenbacher Liniennetz erprobt.

In Kooperation mit dem RMV ergänzen seit 2011 elektrische Leihfahrzeuge wie Pedelecs und Elektroautos die klassischen Verkehrsmittel Bus und Bahn und stehen inzwischen an sechs eMobil-Stationen zur Verfügung.

Die OVB-Werkstatt hat sich in dieser Zeit Kompetenzen bei der Wartung von Elektrofahrzeugen erarbeitet und auch den Service für insgesamt 40 elektrische Mietfahrzeuge geleistet, die die Stadtwerke im Zuge des Projektes  „eMiO – Elektromobilität in Offenbach“ örtlichen Unternehmen und Gewerbetreibenden kostengünstig zur Verfügung stellten, um die Integration von Elektroautos in Unternehmensflotten zu unterstützen und die Alltagstauglichkeit im gewerblichen Einsatz unter Beweis zu stellen.

Die ebenfalls im Geschäftsfeld Mobilität angesiedelte „Geschäftsstelle Elektromobilität – Projektleitstelle Bundesprojekte“ koordiniert hessenweite elektromobile Netzwerke mit Projektpartnern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung, koordiniert den Informationsaustausch und ist zentraler  Ansprechpartner für hessische Unternehmen in Sachen Bundesförderung im Bereich Elektromobilität.

Welche betriebswirtschaftlichen Auswirkungen haben der Umbau und die Ertüchtigung der Betriebsstandorte, die Umstellung auf E-Busse und die Umsetzung des Nahverkehrsplans?

Laut aktuellem Wirtschaftsplan 2020 ff beträgt die Investition in die gesamte Mobilität  39,6 Millionen Euro. Darin enthalten sind Ausgaben für Fahrzeugbeschaffung und Instandhaltung des Betriebshofes, die unabhängig von der Elektrifizierung der Busflotte getätigt werden müssen.

Von Bund und Land fließen Fördermittel in erheblichem Umfang. Das Land fördert aus EFRE-Mitteln (Europäischer Strukturfonds) 40 Prozent der Mehrkosten für die ersten sieben eBusse sowie für die Ladeinfrastruktur mit aktuell bis zu vier Millionen Euro (zuzüglich Mehrmittel-Anmeldung in Höhe von 1,2 Millionen Euro beim Hessischen  Wirtschaftsministerium). Der Bund fördert mit EKF-Mitteln (Energie und Klimafonds) in Höhe von acht Millionen Euro, dies entspricht derzeit rund 80 Prozent der Mehrkosten für 29 eBusse. Insgesamt bedeutet dies eine effektive Nutzung der Förderfenster mit einer Förderung in Höhe von bis zu 13,2 Millionen Euro.

In den 39,6 Millionen Euro sind für die Instandhaltung des Betriebshofes seitens der OVB 2,1 Millionen Euro enthalten und darüber hinaus 2,9 Millionen Euro, die durch die Stadtwerke-Unternehmensgruppe (SOH) als Liegenschaftseigentümerin investiert werden und in den jeweiligen Wirtschaftsplanungen enthalten sind.

An Stelle eines notwenigen Austausches von Dieselbussen in einer Größenordnung in Höhe von rund 9,1 Millionen Euro werden eBusse im Rahmen der Ersatzbeschaffung angeschafft.

Damit verbleiben auf Grundlage der Wirtschaftsplanung 2020 ff 12,2 Millionen Euro Eigenanteil der Offenbacher Verkehrs-Betriebe für die Investitionen in Form der Errichtung der Ladeinfrastruktur, der Herstellung der Energieversorgung, der Anschaffung der eBusse (nicht förderfähige Mehrkosten gegenüber konventionellen Bussen) und der erforderlichen Planungs- und Organisationsleistungen. Diese Investitionskosten werden in  Abhängigkeit ihrer jeweiligen Nutzungsdauern  buchhalterisch abgeschrieben und umfassen bezogen auf das Jahr 2022, wenn alle 36 eBusse nebst Ladeinfrastruktur im Einsatz sind, rund 900.000 Euro pro Jahr.

Die Ladeinfrastruktur verteilt sich auf die Standorte Hebestraße, An den Eichen und Kaiserlei. Diese Infrastruktur besteht aus einer Reihe von Einzelbausteinen wie zum Beispiel eBusse, technische Komponenten zur Energieversorgung (zum Beispiel Trafos, Ladegeräte), Software und Planungsleistungen und anderes mehr. Diese Einzelbausteine sind mit unterschiedlichen Nutzungsdauern hinterlegt, die sich zwischen fünf und 25 Jahren bewegen. Die differenzierten Zeiträume der Nutzungsdauer gehen in Form einer Abschreibung in die Wirtschaftsplanung der nächsten Jahre anteilig je Jahr ein.

In der Planung ist unter anderem auch die mit der zweiten Phase des Nahverkehrsplans beschlossene weitere Ausweitung der Verkehrsleistungen mit rund 500.000 Kilometern ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2021 enthalten, die rund 2,6 Millionen Euro kosten wird.

Es wird erwartet, dass die Betriebskosten eines Elektrobusses (Treibstoff/Energie und Wartung) niedriger liegen als die eines Dieselbusses, auch, wenn man nach acht Jahren während der insgesamt 16-jährigen Laufzeit einen Batteriewechsel einkalkuliert, weil der Elektroantrieb eines eBusses über deutlich weniger wartungsintensive Komponenten im Vergleich zum Motor eines Dieselbusses verfügt. Gleichzeitig wird mit dem Umstieg auf eBusse ein absehbar deutlich höherer, kostenintensiver Aufwand für die Abgasreinigung beim  Betrieb von Dieselbussen vermieden.

Die Wartungskosten werden damit aller Voraussicht nach niedriger sein und die Betriebsdauer wird im Gegensatz zum Dieselbus nicht mit zehn, sondern mit 16 Jahren angenommen.

Technisch werden die Investitionen über Kredite mit langer Zinsbindung finanziert. Das ist beim aktuellen Zinsumfeld günstig.  

Die Ersteinschätzung zur Entwicklung der wirtschaftlichen Situation aus dem August 2019 ging von einer jährlichen Ergebnisverschlechterung mit wachsenden Fehlbeträgen bis zu 15,4 Millionen Euro in 2023 aus.

Diese Mittelfrist-Einschätzung erfolgte vor dem Umbaubeginn des Betriebshofes und  bevor Abrechnungen oder Preise für die eBusse vorlagen. Zwischenzeitlich gestiegene  Baukosten und Fahrzeugpreise sowie auch erhöhte Personalkosten aufgrund außergewöhnlich hoher Tarifabschlüsse müssen daher bei der weiteren Wirtschaftsplanung berücksichtigt werden. 

Die genehmigte Wirtschaftsplanung der OVB für die Jahre 2020 ff vom November 2019 berücksichtigt  dabei für die Deckung die in den vergangenen Monaten getroffenen Beschlüsse, insbesondere den Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 19.09.2019.

Danach haben die Stadtwerke Offenbach Holding (SOH) jährlich acht Millionen Euro Betriebsverluste des Stadtwerke-Geschäftsfeldes Mobilität (einschließlich der NiO Nahverkehr in Offenbach GmbH) und die Stadt Offenbach mit Haushaltsmitteln in Höhe bis zu zwei Millionen Euro in 2020, bis zu drei Millionen in 2021 und in den Folgejahren ab 2022 in Höhe der Kosten entsprechend des Wirtschaftsplans des Geschäftsfeldes Mobilität zu übernehmen.

Die Umsetzung des Nahverkehrsplans für die schnell wachsende Stadt Offenbach ist damit finanziell gesichert. Bei einer Gesamtinvestition in die Mobilität von 39,6 Millionen Euro macht die Elektrifizierung der Busflotte mit einem Eigenanteil der OVB in Höhe von 12,2 Millionen Euro den geringeren Teil der Investitionssumme aus. Der größere Teil der Ausgaben fließt in den Ausbau des Stadtbusverkehrs mit einem deutlichen Zugewinn an Mobilitätsleistungen und Umweltentlastung.

Die Corona-Krise konnte im Wirtschaftsplan 2020 ff noch nicht berücksichtigt worden sein. Die Pandemie sorgt derzeit für eine  massive wirtschaftliche Belastung aller Unternehmen im ÖPNV. Die betriebswirtschaftlichen Auswirkungen sind noch unabsehbar und auch von Faktoren wie den noch zu treffenden Entscheidungen von Bund und Ländern anhängig. Die wirtschaftlichen Folgen von Corona für die Offenbacher Verkehrs-Betriebe können deshalb zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beziffert werden.

Ergänzung des Angebots durch eMobil-Leihfahrzeuge

Welche Rolle spielen eMobil-Leihfahrzeuge im Offenbacher Nahverkehrskonzept?

Der ÖPNV gehört heute mehr denn je zu einer der wichtigsten Aufgaben der Daseinsvorsorge. Alle Bürgerinnen und Bürger brauchen gute öffentliche Verkehrsanbindungen und profitieren davon, dass Luft und Straßen entlastet werden. Eine höhere Lebensqualität ist der Gewinn, der allen zukommt. Gerade in einer wachsenden Stadt wie Offenbach inmitten der Metropolregion Rhein-Main braucht es ein starkes und auf die unterschiedlichen Mobilitätsbedürfnisse zugeschnittenes Angebot öffentlicher Verkehrsmittel, um eine attraktive Alternative zum Auto zu bieten und immer mehr Menschen umwelt- und klimafreundlich befördern zu können.

Aufgrund der massiven Zunahme des Individualverkehrs und erhöhter Abgas-und Lärmbelastungen ist es wichtig, neben der Leistungserweiterung und Elektrifizierung des Stadtbusverkehrs auch weitere alternative Mobilitätsangebote zur Verfügung zu stellen. eMobil ist ein solches alternatives, zugleich innovatives und nachhaltiges Verkehrsangebot. Elektrische Mietfahrzeuge wie Pedelecs und Elektroautos ergänzen als Bestandteil des ÖPNV die klassischen Verkehrsmittel Bus und Bahn und sind Bestandteil  einer inter- und multimodalen Mobilitätskette von Tür zu Tür.   

Das elektromobile Car- und Bike-Sharing-Angebot ist in der vergangenen Amtsperiode der Stadtverordnetenversammlung im Frühjahr 2015 mit großer Mehrheit auf den Weg gebracht worden. Das Offenbacher eMobil-Netz mit inzwischen sechs Leihstationen ist ein innovatives Modellprojekt, das nicht nur als Blaupause für das gesamte Verbundgebiet des Partners RMV dient, sondern auch vom Bund mit großem Interesse verfolgt wird und für Offenbach einen starken Imagegewinn bedeutet.

 

Die Stadtwerke-Gruppe mit ihren Mobilitätsunternehmen ist überzeugt, mit diesem System zum Nutzen der Menschen in unserer Stadt einen wichtigen Schritt zu gehen, um die Mobilität im Ballungsraum neu zu gestalten. Mit einer niedrigen  Einstiegshürde durch einfache Registrierung stellt eMobil ein Angebot dar, das die Möglichkeit schaffen soll, auf den Einsatz eines eigenen Autos, insbesondere des Zweitwagens, zu verzichten und das lokal emissionsfrei.  

Nicht nur mit seinen Elektrobussen, die ab dem Fahrplanwechsel 2020 schrittweise in Betrieb gehen, auch mit seiner hessenweit agierenden Geschäftsstelle Elektromobilität – Projektleitstelle Bundesprojekte und mit dem Modellprojekt eMobil ist die Stadt Offenbach Vorreiterin für die Entwicklung einer umweltfreundlichen, nachhaltigen Mobilität.

Das den klassischen ÖPNV ergänzende Sharing-Angebot für eAutos und Pedelecs ist Teil des ÖPNV und damit Teil der Daseinsvorsorge. Ebenso wie das bestehende Busangebot wird die Bereitstellung des ÖPNV wie auch in anderen Städten nicht kostendeckend betrieben. Die Akzeptanz und Nutzung neuer Angebote erfordert eine Verhaltensänderung der Verkehrsteilnehmer. Verhaltensänderungen sind nicht von heute auf morgen zu bewirken. Sie setzen aber voraus, dass attraktive Alternativangebote bestehen. Daher sind Investitionen in eine inter- und multimodale Verkehrskette erforderlich.